Pressestimmen zur Aufführung von Bruckners 8. Sinfonie



  Sergiu Celibidache erreicht Furtwängler-Größe
Mit Celibidaches Auftritt in der Lukaskirche schien Furtwängler wiederzukehren, dessen Berliner Philharmoniker er ja nach dem letzten Krieg leitete. Und wie der geheimnisvolle Furtwängler begriff Celibidache die ungeheuren Dimensionen von Bruckners Achter, in der es keinerlei Längen gab, sondern nur Herrlichkeiten, Spannung, Ausdruck, Differenzierung und Klangkunst allerhöchsten Grades.

Endlich bei der Musik
Eine fesselnde Aufführung, von den Philharmonikern nach Celibidaches Muster geprobt, d.h. eine bis zum kleinsten Aufstrich der Geiger perfekte Arbeit, die bei aller Detail-Politur nie das Ganze aus dem Auge verloren hat: die innere Lebendigkeit des Musizierens.

Celi war fabelhaft
Bruckners Achte mit den Philharmonikern unter Sergiu Celibidache wurde ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges!

Bruckners Mysterium ausgeleuchtet
Die Aufführung selber muß in der vollkommenen Verschmelzung von Dirigent und Orchester beurteilt werden. Und da zeigte es sich, daß nur die präziseste Einstudierung der formalen Abläufe und Strukturdetails, wie sie Celibidache in unerbittlicher Probenarbeit gewährleistet, den äußeren und inneren Reichtum dieser Musik in Realität setzen kann.
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Gerüchte und eine Beilage zum Programmheft
Auf Wunsch Celibidaches bekamen die Besucher dieses Konzerts ein Einlegeblatt, auf dem der Artikel vom 29.9.1979 - erschienen in den "Neuen Zürcher Nachrichten" - abgedruckt war. Dies wurde von der Münchner Presse mit  "peinlich zu lesender Wisch", mit  "Lobeshymne auf den musikalischen Messias, welches zum peinlichen Eigenlob wird" beantwortet. Auch hielt sich hartnäckig das Gerücht unter Münchens Musikfreunden, Celibidache hätte die Lukaskirche für seine Aufführung von Bruckners Achter gewählt, um vor Buhrufen sicher zu sein. Tatsache war jedoch, daß Celibidache vor dem Konzert in Bratislava, dieses Werk zuerst in München aufführen wollte und kein anderer Saal frei war.
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Beitrag von Georg Albrecht Eckle in den "Neuen Zürcher Nachrichten"
Die volle Legitimation seiner radikalen Kritik am heutigen Musikwesen und Musikverständnis hat der rumänische Meisterdirigent Sergiu Celibidache mit dem ersten Extrakonzert des Tonhalle-Orchesters erbracht, das unter seiner Leitung stand. Wie recht er hat mit seinen spitzzüngigen Angriffen - namentlich gegen renommierte Kollegen - wußte seine musikalische Wahrhaftigkeit in drei Werken Takt für Takt zu erweisen. Beglückung bei Musikern und Publikum blieb nicht aus. Der tricklosen Magie Celibidaches konnte sich kein ernstdenkender Hörer entziehen.

Die Presse hat in den letzten Monaten - namentlich als es um Celibidaches Engagement bei den Münchner Philharmonikern ging - viel getan, den heute 67jährigen Künstler ins Gerede zu bringen. Man darf ihn nicht ohne Zusammenhang zitieren, wenn man ihm nicht schaden will; der Kontext Celibidache ist seine gesamte Persönlichkeit, deren Emphase man erst begreift, wenn man selbst entschiedene Zweifel am heutigen Musikverständnis und dem daraus resultierenden kritik- und niveaulosen Musikkommerz hat, der stets auf Kosten von Werk und Komposition lebt, und zwar bis zu deren brutaler Schändung. Auch der Zürcher "Tagesanzeiger" brachte (am 26. 9. 79, Seite 21) eine Blütenlese von Celibidache-Pointen in Form eines mageren Erlebnisaufsatzes vom Reporter. Man stärkt die Fama vom Exzentrismus des Künstlers Celibidache. Es ist aber die Praxis unseres Musiklebens (und nicht zuletzt des Zürcherischen), die den echten Musiker m die Rolle des Exzentrikers bringt, wenn er nicht bereit ist, seine musikalische Seele zu verleugnen und auf der Basis jedes faulen Kompromisses zu verkaufen. Das tut Celibidache im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen mit Konsequenz nicht. Von dieser Konsequenz legte seine erste Arbeit mit dem Tonhalle-Orchester ein bezwingendes Zeugnis ab......Am Ende hörte man die unendliche Verwandtschaft großer Musik, wenn man sie nicht durch Deutung fälscht. Gegen diese Fälschung wehrt sich der musikalische Bekenner Celibidache mit jeder Phase seiner Existenz, seiner Subjektivität: immer zugunsten der Musik. Und von wem kann man das heute noch sagen? Es darf nicht sein, daß die Verantwortlichen in Zürich diesen Musiker nicht als Chef an ihr Tonhalle-Orchester binden, wenn es dafür irgendeine Chance gäbe.


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