Eröffnungskonzert in der Philharmonie
Festakt
Am Morgen des 10. November 1985 um 11.00 Uhr begannen die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Gasteig-Kulturzentrums. Sergiu Celibidache begann mit  dem "Feierlichen Einzug" von Richard Strauss. Nach dem Grußwort des Oberbürgermeisters Georg Kronawitter folgte der Eingangschor aus Orffs "Carmina burana" und Pfitzners Vorspiel zum zweiten Akt aus "Palestrina". Bundespräsident Richard von Weizsäcker hielt danach eine die Würde des Anlasses wahrende und trotzdem heitere, witzige und persönliche Rede. Der Festakt endete mit der Ouvertüre der "Meistersinger" von Richard Wagner
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Festkonzert
Celibidaches ganz persönlicher Wunsch war es, in der Eröffnung einen Weiheakt zu sehen und so standen auf dem fast dreistündigen Programm die herben "Musikalischen Exequien" aus dem Jahre 1636 von Heinrich Schütz und die Fünfte von Anton Bruckner.

Nr. 23 CAPELLA
Ach wie elend ist unser Zeit
allhier auff dieser Erden
gar bald der Mensch darnieder leit
wir müssen alle sterben.
Allhier in diesem Jammerthal
ist Müh und Arbeit überal
auch wenn dirs wol gelinget.
(Liedstrophe von J.Gigas 1566)
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Presseberichte
Ein bißchen befremdet waren die Münchner schon von dem ernsten Eröffnungsprogramm, das so gar keine flotte Entrada bot, nichts einschmeichelndes, nichts, was sich so einfach wegschlürfen ließ. Statt dessen die herben "Musikalischen Exequien" des vielgerühmten, wenig gespielten, in diesem Jahr 400jährigen Heinrich Schütz, zusammengespannt mit der Fünften Bruckner. Das ist Celibidache. Für diesen Tag sucht er kompromißlos aus, was einen großen geistigen Hintergrund aufreißt, die Bezirke des Bekenntnisses erreicht. (Beate Kayser)

So ist er halt, der sperrige, musikbesessene und fulminant von sich überzeugte Musik-Guru Münchens, Sergiu Celibidache: Er schenkt einem nichts. Wer geglaubt haben sollte, man nehme einen neuen Saal wie die Philharmonie, die so lange ersehnte, mit Freude, Lust und innerem Schwung dankbar in Besitz, der fand sich plötzlich in Trauerkleidern wieder. (Helmut Lesch)

Mitglieder des Tölzer Knabenchores und des Philharmonischen Chores, von Bläsern und einer Basso-coninuo-Gruppe des Orchesters erweitert, sorgten für eine außerordentlich transparente Wiedergabe, die Celibidache einmal von einer völlig neuen Seite zeigte. Anschließend die Symphonie Nr. 5 von Anton Bruckner. Celibidaches Eigenwilligkeit wurde dabei eindringlich deutlich. Dieser Dirigent, der jede Phrase bis in die letzte Schwingung hinein aushorcht und Details herausarbeitet, die man sonst kaum gewahr wird, läßt sich nicht auf Fragen der Tempi ein, was die Freude an der so überragenden Qualität dieser Aufführung nicht zu beeinträchtigen vermag. Die sogenannten "göttlichen Längen" wurden also der Bedeutung des Anlasses entsprechend exemplifiziert. (Karl-Robert Danler)

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