Interview
Sergiu war nicht nur Dirigent, er war auch Denker und Musikwissenschaftler.
Sein Musizieren war von einem hohen Maß an Bewußtheit geprägt.
Es wurde von einer lebenslangen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Klang
zu Musik getragen. Für Celibidache war Musik nicht vorgegebene Struktur die
man zu Gehör bringen kann, für ihn war Musik auch nicht nur Klang, aber
er ging davon aus, daß das Klangmaterial eine bedeutende kundgebende Funktion
hat. Aus dieser Einsicht erwächst bei Celibidache das Grundproblem: Unter
welchen Bedingungen kann Klang zu Musik werden? Unter welchen Bedingungen kann
der Musikant und der Zuhörende den zeitlichen Ablauf von Klängen als
eine musikalische Einheit, als Musik wahrnehmen. Die Erforschung dieser Bedingungen
hat nichts mit anderen Richtungen der Musikwissenschaften zu tun, Harmonie oder
Formlehre z.b., oder mit der Geschichte oder Soziologie der Musik. Celibidaches
Wissenschaft handelt ausschließlich vom Wesen des Klangmaterials und von
den Fähigkeiten und Weisen menschlichen Geistes, Klangmaterial zu verarbeiten.
Er nannte dieses Wissen der Erscheinungsformen der Musik im Anschluß an
das Denkprinzip des Philosophen Edmund Husserl "Phänomenologie der Musik".
Auf dieser Seite wird der Maestro selbst zu Wort kommen.
Die Interviews bieten so viel Stoff zum Nachdenken und charakterisieren die
Persönlichkeit so treffend:
Die Texte liegen zum Download bereit.
- Interview mit Dr. Klaus Lang am 29.11.1974
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Auf Datenträger aufgezeichnete Interviews/Wortsendungen:
- "Die Wahrheit Musik" - zum 80. Geburtstag von Sergiu
Celibidache (Dreiteilige Sendung von Ursula Hübner, Juli 1992)
- "Phänomenologie der Musik" - Sergiu Celibidache
diskutiert mit seinen Meisterschülern, mit Mitgliedern der Münchner
Philharmoniker und dem Philosophen Michael Nupen.
- "Gibt es noch Dirigentenpersönlichkeiten?" - Podiumsdiskussion
mit Günter Kehr, Wolf-Eberhard von Lewinski, Werner Egk, Marcel Prawy
und August Everding.
- Ansprache zur Verleihung der goldenen Ehrenmünze
am 21. Juni 1987
- Meisterkurs Mainz 17. Dezember 1986 - Ausschnitte aus
der Vormittags- und Nachmittagsvorlesung
- Lucerne 1980 - Gespräch mit Felix Bucher
- Lucerne 1979 - Gespräch mit Felix Bucher zum Konzertprogramm
- Gespräch mit Joachim Matzner im Jahr 1977 anläßlich
des 65. Geburtstages von Sergiu Celibidache
- Pausengespräch gesendet am 16.10.1980 geführt
mit Franz Jörg Bautz
- Pausengespräch zum Konzert am 12.03.1985 geführt
mit Wolfgang Schreiber (Weber - Ouvertüre Oberon, Beethoven - KlavierkonzertNr
4, Brahms - Sinfonie Nr. 4)
- Pausengespräch zum Konzert am 26.03.1988 geführt
mit Wolfgang Schreiber (Prokofjeff - Symphony Classique, Franck - Sinfonische
Variationen, Sibelius - Sinfonie Nr. 5)
- Keine Alternative zur Musik - Gespräch geführt
mit Harald Eggebrecht, November 1985
- Ausschnitt aus einem Interview mit Celibidache
(celi.mp3-Ausschnitt 1'03'' 247 kb)
Gedanken
- Wieviel Manieren gibt es, von der Wahrheit wegzukommen?
Milliarden. Wieviele Wege gibt es, bei der Wahrheit zu bleiben? Einen. Sehen
Sie, das ist die Einmaligkeit der Musik, die Alternativlosigkeit. Es gibt
nicht zwei Erste Brahms.
- Musik ist nicht fixierbar. Wenn Sie die Fünfte
von Beethoven spielen - es gibt sie nicht, aber sie entsteht jedesmal. Das
ist die einzige Wahrheit.
- Die Schallplatte ist die Negierung jeder Musikalität.
Wenn Sie mir eine Schallplatte vorspielen, eine von mir sogar, eine Rundfunkaufnahme,
gehe ich ein. So quälend ist das. Was die Platte nicht kann: die ursprüngliche
Spontaneität wiederherstellen. Die göttliche Präsenz, die ist
ganz ausgeschlossen.
- Auf die Frage nach der Interpretation antwortete Celibidache:
"Wenn Sie genau wissen, wo Sie wohnen und abends nach Hause gehen - interpretieren
Sie dann den Weg?"