Die Schule des Verstehens

Celibidaches Bruckner-Einspielungen liegen auf 12 CDs vor

Das wird ein Bruckner-Herbst im Wohnzimmer. Celi, der das alles ja überhaupt nicht wollte, möge es uns verzeihen, daß wir den zweiten Brocken der Celibidache-Edition, das Herzstück, die soeben bei EMI auf 12 CDs erschienene Bruckner-Kassette, mit Entzücken hören.

Und wenn wir die Konserve, was er uns ja verboten hat, auch nicht für Musik nehmen, sondern nur als Erinnerung an Musik, als Gedächtnisstütze, so bringt sie doch wieder ins Bewußtsein, was diese 18 Jahre mit den Münchner Philharmonikern waren, welche Schule des Hörens und Verstehens das Orchester und sein Publikum da genossen haben.
Die Kassette enthält die Symphonien drei bis neun, die f-moll-Messe, das Te Deum und einen Probenausschnitt zu Bruckners Neunter. Alles sind mit Bedacht aus einer größeren Zahl ausgewählte, in der Philharmonie im Gasteig entstandene Mitschnitte vom Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger Jahre.
Die erste Kassette, im vorigen Jahr erschienen, mit Bartok, Beethoven, Debussy, Haydn, Mozart, Ravel, Schubert, Schumann, Tschaikowsky und Wagner hat sich blenden verkauft. Kein Wunder - endlich einmal waren es sorgfältig editierte Aufnahmen und keine Raubmitschnitte. Auch um die zu unterbinden, ist ja die erste (wenn auch nicht von Celibidache selber, sondern von seiner Frau uns seinem Sohn) autorisierte CD-Edition entstanden.
Die Strategie wird aufgehen: Das erste Paket verkaufte sich auch auf dem klamm gewordenen CD-Markt, weil es von Celibidache und den Philharmonikern bisher nichts gab. Und der Bruckner wird laufen wie die Feuerwehr, weil man Celibidache zurecht mit diesem Komponisten identifiziert.
Das Geld soll in die Celibidache-Stiftung fließen, die, wie Celis Sohn Serge schreibt, "Langsam, aber sicher Form annimmt". Vermutlich wird sie von Rumänien und von Westeuropa aus geführt und soll im Jahr 2000, am Todestag Celibidaches, dem 14. August eröffnet werden. (Beate Kayser tz 12./13.09.1998)

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