..... Doch der Hit dieser Platte ist das Dvorák-Konzert: Sergiu Celibidache und die Schwedischen Radiosinfoniker begreifen das bedeutendste der romantischen Cello-Konzerte als zutiefst zerrissene sinfonische Dichtung, in der die Solistin, mal traumverloren, mal sich trotzig auflehnend, wie gegen das Schicksal anrennt. Erst Celibidaches Strenge, sein Beharren auf den enormen Qualitäten dieser Partitur sowie seine Unnachgiebigkeit in rhythmischen und formalen Fragen schaffen jenen Rahmen, in dem sich das überschäumende Temperament Jacqueline du Prés und ihr grandios entfesselter Ton so ausleben können, dass sie, die so völlig Andere, noch als Bestandteil des Orchesters wirkt. (SZ 20.12.2000)

Über Jacqueline de Pré wissen wir inzwischen ja fast alles, sogar ihr Liebesleben kennt man im Detail, mitgeteilt von der aufopferungsvollen Schwester. Hier schneidet durch die Schwaden der "Enthüllungen" noch einmal der Höreindruck; zwei Live-Aufnahmen, die eigentlich der EMI und der Deutschen Grammophon-Gesellschaft gehören. Sehr unterschiedlich in der Klangqualität, aber du Pré bricht sich in beiden Bahn. Die Frau spielt Cello, als wüsste sie um ihren frühen Tod und müsse in die paar Jahre, die ihr noch blieben, gesteigerte Empfindung, verschwenderisches Spiel bis zur Heftigkeit, kurz: mehr einbringen, als der jeweilige Komponist das vielleicht wollte. Es gibt von beiden Konzerten "bessere", "richtigere" Aufnahmen; aber als Dokument einer Künstlerin, deren Kerze an beiden Enden brannte, ist die Scheibe unschlagbar. (Thomas Rübenacker in steroplay Febr. 2000)

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