Pfiffig, griffig, drollig

Dieses Büchlein sollte man im Flugzeug auslegen oder in der Bahn, man sollte es immer griffbereit haben, wenn man Zeitbrücken spannen muss. Es bietet garstig-komische Unterhaltung, ist gespickt mit Schimpftiraden, Streicheleinheiten, Alltagsweisheiten. Lauter Karikaturen, zwar nicht "Ohne Worte", dafür "Ohne Bild". Verbale Blitzlichter über das Musikleben, alle abgesondert von einem Zauberer und Besserwisser: Sergiu Celibidache.

Stefan Piendl und Thomas Otto haben sämtliche Celibidache-Quellen - Zeitungen, Bücher, Booklets, Filme etc. - durchforstet und des Meisters sinnigsten Sprüche herausgefiltert, sie thematisch gebündelt und um ein Vorwort, eine Kurz-Bio sowie exakte Nachweise ergänzt. Viele Aussagen verstehen sich von selbst, bedürfen keiner Erklärung. Opern? "Wischiwaschi und falsche Bastarde der Kunst". Schallplatten? "Tönende Pfannkuchen, Dreck, Onanie." Lorin Maazel? "Ein zweijähriges Kind, das von Kant redet." Dirigenten? "Jeder Dirigent ist ein verkappter Diktator, der sich glücklicherweise mit der Musik begnügt." Kritiker? "Das sind alles Nullitäten."

Unten zeichnende Nullität findet das Buch pfiffig, griffig, drollig. Es ist nie langweilig, sondern kommt stets auf den Punkt. Neben den Rasiermesserurteilen gibt es auch einige wenige Streicheleinheiten, ferner philosophische Aussagen, über die es nachzudenken lohnt, mitunter sogar faire Bemerkungen. So richtig Spaß, selbst nach x-ter Lektüre, macht Carlos Kleibers Brief aus dem "Spiegel" vom Mai 1989, worin er- im Namen Toscaninis und abgesendet im "Himmel" - ein augenzwinkerndes Plädoyer für die von Celi gebrandmarkten Dirigenten hält. Immer wieder schön, immer wieder vergnüglich, egal ob in Flugzeug oder Bahn. (Christoph Vratz in FonoForum Juli 2003)


Stefan Piendl, Thomas Otto (Hg.):
Stenographische Umarmung
Sergiu Celibidache beim Wort genommen.
Regensburg,ConBrio 2002, 157 S
14,80 Euro

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