Der Garten des Celibidache
Film von
Serge Celebidachi

Musik ist nichts


Nahezu ein halbes Jahrhundert lang war der Dirigent, Lehrer und Philosoph Sergiu Celibidache ein Stachel im Fleisch des Musikbetriebes. Seine kompromisslose musikalische Arbeit, sein idealistischer Musik-Begriff, seine Thesen von der Einmaligkeit lebendigen musikalischen Erlebens und der Unmöglichkeit von Interpretation stellten für eine selbstherrliche, zunehmend von Kommerzialisierung und Oberflächlichkeit
geprägte Musikwelt eine permanente Provokation dar. Acht Jahre nach Celibidaches Tod hat sich die Entwicklung hin zur Musik als schnellverkäuflicher Ware noch beschleunigt. Da erscheint es angebracht, sich des unbequemen Mahners zu erinnern und seine oft verblüffend einfachen wie treffenden Einsichten zu vergegenwärtigen. Nichts ist dazu besser geeignet als der Dokumentarfilm, den Celibidaches Sohn während der letzten drei Lebensjahre seines Vaters gedreht hat. Der Film bietet keine konservierte Aufführung, sondern zeigt in klug gewählten Einstellungen Celibidache bei der Probenarbeit, beim Unterrichten, im Gespräch mit Schülern und tibetischen Mönchen - und immer wieder im Garten seines Anwesens bei Paris, in die Natur hineinlauschend wie in sein Orchester. Die Hauptarbeit des Regisseurs geschah am Schneidetisch: Durch ebenso sensible wie signifikante Überlappungen von Bild und Ton, Text und Musik erhalten die Szenen Kohärenz, formt sich aus der Fülle des Materials das Bild eines Menschen von außerordeltlicher Weisheit und Wahrhaftigkeit. Der Film wirft viele Fragen auf und gibt eine Fülle von Denkanstößen. ,,Musik-Genuss" kann und will er nicht vermitteln - dafür aber Eindrücke, die wohl niemanden unberührt lassen und die, wo sie auf fruchtbaren Boden fallen, eine veränderte Form des Erlebens von Musik zur Folge haben.


Peter T. Köster in Fono Forum Ausgabe Dezember 2004
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Musik *****
Bild/Klang *****

Der Garten des Sergiu Celibidache; Film
von Serge loan Celebidachi (1997)
Triptychon DVD 7001 02 (145')

 


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