Taschengarten

Bruckners Fünfte ist seine komplexeste Sinfonie, die vor allem im fugierten Finale höchste Anforderungen an Dirigent und Orchester stellt. Niemandem ist so eine derart schlüssige, magische und bis zum finalen Gipfel hin fesselnde Darbietung geglückt wie Celibidache und seinem Münchner Orchester. Die vorliegende Live-Aufnahme von einer Japan-Tournee 1986 dokumentiert ein Konzert der späten Celibidache-Ära, dem vielleicht nur noch die Vierte aus der EMI-Serie zur Seite zu stellen ist. Von Anfang bis Ende herrscht kristallklare Konzentration, auch im Publikum. Wer sich an gewohnten Hörvorstellungen orientiert, dem werden die Tempi als "zu breit" erscheinen; lässt man sich aber darauf ein, so erschließen sich auch im scheinbar Bekannten neue, unerhörte Räume und Abläufe, die in ihrem Reichtum an Gestalten und Farben jeden Vergleich hinter sich lassen. Das Klangbild ist ausgewogener und transparenter als bei den Münchner EMI-Aufnahmen.

Christoph Schlüren in stereoplay 9/2007

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